Wie man Zeit verschwendet: Erneutes Palaver (...)
über die Schulsanierung
Ernst Schneiders
denkt nach über Informationsflüsse und Lob
Man könnte es, wenig freundlich, auch Zeitverschwendung nennen. Denn als der Roetgener Bauausschuss ein erneutes Palaver über die Schulerweiterung abhielt, war das Ergebnis längst bekannt. Bereits vor Wochenfrist nämlich, im Hauptausschuss, hatten SPD und UWG erklärt, den gemeinsamen Spar-Antrag nicht weiter verfolgen zu wollen. Das reichte CDU und Grünen nicht aus. Architekt Gerhard Wittfeld selbst sollte der Ratsmehrheit noch einmal in aller Öffentlichkeit die Konsequenzen ihres Ansinnens aufs Brot schmieren.
Das tat Wittfeld dann auch, nachdem er zuvor zweieinhalb Stunden der Aldi-Debatte beigewohnt hatte. Zunächst war der Planer noch freundlich-verbindlich, dann zunehmend genervt und schließlich sauer. Er habe nun wirklich keine Lust, manche Dinge um diese Uhrzeit zum wiederholten Male zu erklären, giftete Wittfeld schließlich in Richtung der UWG-Fraktionsvorsitzenden Silvia Bourceau. Auch sei die „latente Unterstellung in unsere Richtung nicht in Ordnung“, das Architekturbüro würde sich die Dinge nach eigenem Gusto hinbiegen, ließ er SPD-Fraktonschef Klaus Jörg Onasch wissen. Er als Planer, so Wittfeld weiter, mache keine Politik, sondern er reagiere auf die Wünsche der Politik.
Nicht mehr und nicht weniger habe der Antrag von SPD und UWG bezweckt, so Onaschs Antwort, der sich missverstanden fühlte. Man habe lediglich eine Auskunft erwartet, ob man, und wenn ja was, bei der Schulerweiterung einsparen könne. Und wenn nicht, dann eben nicht!
Die Ursache für diesen Disput scheint ein Kommunikationsproblem zwischen Verwaltung und Politik auf der einen und Roetgener Gemeinde-Entwicklungs-Gesellschaft (RGEG) auf der anderen Seite zu sein, obwohl dieselben Leute hüben wie drüben in den Gremien sitzen. Aber alles, was die RGEG macht, ist vertraulich und geheim. Mein Gott, ist das geheim! Dennoch war der Inhalt des Schreiben, das Gerhard Wittfeld Mitte November an die Bauherrin RGEG gerichtet hatte, bereits vor einigen Tagen in unserem Lokalteil nachzulesen.
Darin beschrieb der Architekt, wie berichtet, genau das, was er auch am Dienstag im Bauausschuss wiederholte. Zusammengefasst: Allen Beteiligten sei mittel- und langfristig am besten damit gedient, wenn man von den Finanzen für die Schulerweiterung die Finger lassen würde. Natürlich gebe es Sparmodelle, doch sollte sich die Politik für eine dieser Varianten entscheiden, gebe es bei Qualität, Funktionalität, Kosten und Bauzeit erhebliche Auswirkungen. Das Projekt werde teurer, aber nicht besser, es gebe nennenswerte Folgekosten und alle Zeitvorgaben seien völlig über den Haufen geworfen.
„Ich kann doch lesen“, kommentierte Klaus Onasch die Ausführungen. Auch er kennt das Schreiben an die RGEG, da sitzt er schließlich mit am Tisch.
So endete die Debatte mit der Erkenntnis, dass SPD-Fraktionschef Onasch lesen kann, dass UWG-Fraktionschefin Bourceau die schwarz-grüne Fassadengestaltung am Schulaltbau immer noch nicht für gelungen hält, und dass beide Fraktionen ihren Antrag nicht weiter verfolgen. Aber das wussten alle ja auch schon vorher.
Da hätte sich Claudia Ellenbeck von den Grünen ihre lobenden Worte in Richtung des Architekten gerne ersparen können. Das war einfach überflüssig. Dass Gerhard Wittfeld was kann, hat sich längst bis Roetgen herumgesprochen.