„Politik mehr an Ganztag und Bürgersaal (...)
(...) interessiert
Interview mit Schulleiterin Elisabeth Gerhards-Eckert über mögliche Mittelkürzungen für die Grundschule und die Auswirkungen
Roetgen. Die Gemeinde Roetgen geht finanziell am Stock und ist von der Kommunalaufsicht aufgefordert worden, in ihrem Haushaltssicherungskonzept deutlich sichtbar den Rotstift anzusetzen. Dabei haben SPD und UWG die Schulerweiterung und -sanierung in den Fokus der Sparbemühungen gerückt. Über mögliche Auswirkungen von Mittelkürzungen in diesem Bereich hat unser Redakteur Ernst Schneiders mit der Leiterin der Grundschule, Elisabeth Gerhards-Eckert, gesprochen.
Frau Gerhards-Eckert, ist Ihr pädagogisches Konzept nach den Sparvorschlägen von SPD und UWG nurmehr Makulatur, nachdem bereits zuvor am ursprünglichen Raumprogramm heftig gestrichen worden ist? Gerhards-Eckert: Wir müssen vom pädagogischen Raumkonzept sprechen, nicht vom pädagogischen Konzept. Für dieses Raumkonzept habe ich breit gefächert Meinungen eingeholt, noch vor dem Architektenwettbewerb. Auch bei der Offenen Ganztagsschule habe ich nachgefragt, was dort gebraucht wird. Die Bedürfnisse der Grundschule standen bei der Politik allerdings nicht im Vordergrund. Die hat sich mehr für den Ganztag und den Bürgersaal interessiert. Bereits im Entwurf der Architekten Kada und Wittfeld war das Raumprogramm geringer als ursprünglich geplant. Dann stellte sich heraus, dass das Schulgebäude nicht aufgestockt werden konnte, weil die Statik das nicht zuließ. Ab dann ging es nur noch um Kompromisse. So ist es zum Beispiel nicht gelungen, überall einen mittigen Gruppenraum einzuplanen. Die Schule wird kleiner als vorgesehen, aber es wird funktionieren. Weder mit dem Architekten, noch mit der Baufirma habe ich bisher irgendwelche Probleme gehabt. Die Wünsche der Schule sind berücksichtigt worden.
Wie ist Ihre derzeitige Gefühlslage? Gerhards-Eckert: Wir waren alle darauf eingestimmt, dass Erweiterung und Sanierung im Sommer 2011 fertig sind. Es wird höchste Zeit, weil die Belastung zunimmt. Auch für die Kinder wird es zunehmend schwierig, vor allem wegen des kleinen Schulhofs. In diese Situation hinein kamen die Sparvorschläge von SPD und UWG.
Was halten Sie von den Sparvorschlägen der beiden Fraktionen? Gerhards-Eckert: Eine politische Einschätzung wird von mir niemand hören. Ich bin ausschließlich daran interessiert, nach dem Abschluss der Bauarbeiten im nächsten Sommer die Entwicklung der Schule intensiv voranzubringen. Als die Sparvorschläge auf dem Tisch lagen, hat mich das nicht sonderlich aufgeregt. Die Gemeinde hat einen Nothaushalt und muss deshalb an allen Ecken sparen. Ich glaube nicht, dass nur SPD und UWG Sparvorschläge vorlegen. Die Politik sieht allerdings, so glaube ich, etwas falsch: Maßgeblich für mich, über Veränderungen nachzudenken, ist die Initiative des Schulträgers, nicht aber, wenn eine Partei auf mich zukommt. Eine Auseinandersetzung über Details des Projektes ist nur mit dem Schulträger möglich. Ich kann nicht jede Partei beraten, und ich hoffe, dass die Politik das auch versteht. Die Gemeinde ist aber offiziell noch nicht an mich herangetreten, weil meines Wissens die bisherige Beschlusslage weiterhin gültig ist. Was Bürgermeister Eis seinerzeit gesagt hat, ist jetzt meine Befürchtung: Ein solch großes Projekt ist nicht in einem Stück umzusetzen, sondern nur nach dem Baukastensystem, so wie die Gemeindefinanzen es jeweils ermöglichen. Dabei sollte der schulische Kernbereich Vorrang vor einer Aula oder einem Bürgersaal haben. Herr Eis wird wohl Recht behalten. Wenn es jetzt Einsparungen beim Schulbauprojekt gibt, befürchte ich, dass wir einen sehr repräsentativen Neubau haben werden, aber der Kernbereich unserer Schule, die Unterrichtsräume im Bestandsgebäude, dagegen stark abfällt.